Leben > Kirchen und Religion > Römisch-Katholische Kirche > St.Franziskus
deutsch english francais
basel-virtuell
 

St.Franziskus in Riehen

Im Sommer 1950 wurde die Kirche St.Franziskus in Riehen, des Zürcher Architekten Fritz Metzger, eingeweiht. Ihr freistehender Turm ragt hoch über die Aeussere Baselstrasse.

Kirche St. Franziskus, Riehen 03
weitere Bilder     Kirche St. Franziskus, Riehen 04   Kirche St. Franziskus, Riehen 05  
 
Die St.Franziskuskirche zeigt eine damals vor Ronchamp neue, für viele Kirchgänger ungewohnte Kirchenbauform. Sie ist keine längsgerichtete Wegkirche mehr. Neue, vom Konzil später approbierte liturgische Vorstellungen zeigen sich hier.

Vom breit ausladenden Eingang unter der Orgelempore nähern sich die Seitenmauern schräg dem ovalen Chorraum; der Boden mit den Bänken senkt sich nach vorne zu. Durch diese Raumform werden die Gläubigen näher an den Altar geholt und vesammeln sich um die liturgische Mitte. Die Lichtführung verstärkt diese Bewegung. Hoch über den Seitenwänden führen zwei schmale Fensterbänder nach vorn; im Chorraum rechts findet sich eine senkrecht gegliederte Fensterwand, welche das volle, sich stets wandelnde Tageslicht auf den im Zentrum der Chorellipse stehenden Stufenaltar fallen lässt. In der Chorwand ist eine von beiden Seiten erhellte Nische für den Tabernakel angeordnet. Der Architekt wünschte ausdrücklich, die Fenster ungefärbt zu belassen. Der Raum ist so gekennzeichnet durch eine heilignüchterne Atmosphäre, ganz dem von Kirchenzeit zu Kirchenzeit wechselnd farbigen Ereignis der Liturgie dienend.

In seiner künstlerischen Ausstattung blieb der Bau fast vierzig Jahre unvollendet: der Altar ein Provisorium, keine Deckenmalerei, kein Wandbild, ja gar das über dem Altar hängende Kreuz war eine Leihgabe. Man wollte sich bescheidend zuwarten und die Zeit heranreifen lassen, bis dannzumal eine Gestaltung möglich sein würde, die der Geistigkeit des Poverello entsprach. Es hat Generationen gedauert; erst Mitte der achtziger Jahre konnte die Vision der Kirchenvollendung verwirklicht werden.

Ein Wettbewerb unter sechs ausgewiesenen Schweizer Künstlern stellte als Aufgabe die farbige Gestaltung der Seitenschiffwände, des Chorbezirks, insbesondere der Tabernakelnische, sowie Vorschläge für die Gestaltung von Altar, Ambo,Tabernakel und Kreuz. Die Gesamtidee sollte der Glaubenshaltung des Franziskus Ausdruck geben: seiner tiefen Frömmigkeit, seiner Ergriffenheit vor der Schöpfung, daraus sein "Sonnengesang" dichterisches Gebet geworden ist.

Der Tessiner Künstler Pierre Casé (geb.1944) erhielt den Auftrag. Er ist selbst ein Spurensucher im Dialog mit der schlichten Schöpfung. Wer in die Kirche tritt, spürt es. Die Mittelachse zum Chor wird betont. Am Chorrand, den Gläubigen zu, steht der granitene Ambo. Im Chor erhebt sich, aus gleichem grauem Granit, der Altar, zwölf leuchtende Messingstreifen erinnern an die Apostel; sieben der Gnadenzahl entsprechend sind es am Kredenztisch; zehn als die erhöhte Wiederkehr des Eins, die Gott selbst ist, am Tabernakel.

In der Wandmalerei wird nicht in Bildern erzählt, sondern sinnfällig erhellt. Es ist ein sichtbarer Farbengesang, der im Klang schwebend wechselnder Farben zur Chormitte führt. Die Malerei ist akzentuiert durch die vorgesetzten teils bemalten Metallstäbe, die sich über der strahlenden Chornische zu einem Kreuz fügen wollen. Das Ganze ist Ausdruck der "arte povera", Kunst in Armut. Es sind Spuren der Vergänglichkeit, "impronte nel tempo" mit eingekritzten Buchstaben, Krakeln und Kreuzen wie auf alten Mauern und Kapellen im Tessin. Strahlende höhere Wirklichkeit wird schaubar in den Licht- und Feuerfarben der Chornische. Mit diesem Gesamtkunstwerk hat Pierre Casé ein Werk geschaffen in der Schöpfungs-Spiritualität des Poverello. Der lange schon verstorbene Architekt würde seine Freude daran haben.


 
Druckansicht   print

Links

Pfarreien RKK-BS
Basel Virtuell
Besuchen Sie Basel virtuell
3D-Rundgang
Chor
Kirche St. Franziskus, Riehen
Wetter
Daten
Webcam
Webcam Barfüsserplatz
Barfüsserplatz
Suchen
Home
Kontakt