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St.Clara

Die St.Clarakirche ist die Stammkirche der Katholiken Basels. Sie gehört ihnen aber nicht; sondern dem Stadtkanton; die Römisch-katholische Kirche ist zu einem sehr symbolischen Jahreszins nur zur Miete.

Kirche St. Clara 03
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Die Kirche war als ein nach der reformatorischen Schliessung der Basler Clarissen-Niederlassung unbenutztes Gebäude am 16. März 1798 im Geiste der Helvetischen Republik der kleinen und wenig vermögenden Katholikengemeinde zum liturgischen Gebrauch im Gastrecht überlassen worden. Damals bestand die Kirche nur noch aus den hinteren fünf Jochen, denn die Nonnenkirche war 1531 verkürzt worden, um am Claragraben Platz zu gewinnen für ein Eckbollwerk der Stadtmauer. 1816 wurde das baufällige Gotteshaus von der Stadt instandgestellt.

Die Katholikengemeinde wuchs aber durch den Zuzug von vornehmlich badischen Dienstleuten und Handwerkern so rasch, dass bereits 1838 die Katholiken um das Anfügen eines Chorteils baten. In den Vierziger Jahren war das Gebäude vom Abriss bedroht, denn man überlegte an ihrer Stelle den Badischen Bahnhof zu bauen, um über die Mittlere Brücke die Eisenbahn in die Schweiz und nach Frankreich zu leiten. Daraus wurde, Gott sei Dank für Kirche und Stadt, nichts.

Einer 1853 wegen chronischer Ueberfüllung der Kirche eingereichten Eingabe um Erweiterung des Gottesdienstraumes wurde stattgegeben. Nach den Plänen des Stadtbauinspektors A. Merian wurden in Angleichung an die schlichten gotischen Formen der Klosterkirche vier Arkaden und ein polygonaler Chor neu gebaut. Für die Baukosten kam die Stadt auf; die Gemeinde hatte nach den Plänen Merians die Innenausstattung zu übernehmen. Der Dachreiter, in den die Stundenzeit-Glocken des Aeschen- und Riehentors eingehängt wurden, blieb an seiner Stelle und zeigt sich so wie gegen den Kirchen-Vorplatz gerückt.

Dort steht heute der Brunnen mit der Figur einer Markgräflerin. Er wurde von der Stadt Freiburg im Breisgau gestiftet zum Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfen der Kleinbasler an die kriegsgeschädigten badischen Nachbarn und zu Ehrung des Initiators Christian Blum, damals Pfarrer zu St.Clara.

Die schlichte pyramidale Westfassade der Kirche lässt die Haltung des dreischiffigen Innenraumes erkennen: die Pultdächer der Seitenschiffe steigen so hoch an, dass im flachgedeckten Mittelschiff nur kleine runde Obergadenfenster eingelassen werden konnten. Die Rundpfeiler, an denen westlich noch drei Wappenschilder angebracht sind, wachsen ohne Kapitelle hoch und verleihen dem Raum mit ihrer Folge der Spitzbogen einen würdig chorwärts schreitenden Rhythmus.

Der Innenraum wurde 1974/75 vom Architektenteam HP.Baur/Th.Doppler renoviert und neugestaltet. Im Südseitenschiff ist das grosse Mosaikbild "Der Auferstandene" angebracht, das 1931 durch Hans Stocker (1896-1983) geschaffen wurde und damals auf dem Festaltar des Katholikenfestes in der Mustermesse Aufsehen erregte. Am ersten südlichen Freipfeiler dem Chor zu findet sich erhöht die farbig gefasste Holzfigur einer Maria, wohl aus Neapel vor der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Hauptaltar und Ambo sind von Bildhauer Piero Selmoni.

Im Nordseitenschiff vorne, wo auch der Tabernakel von Selmoni steht, wurde an der Wand, nach heftigen Auseinandersetzungen und abschliessender Abstimmung innerhalb der Pfarrei, im Sommer 1987 das für diesen Ort entworfene Fresko von Ferdinand Gehr (1896-1996) angebracht. In sparsamer Figürlichkeit vor der grünen Fläche, stimmend mit der ziegelroten Farbhaltung der Arkaden, hat der grosse Kirchenmaler die "Hingabe Christi in der Eucharistie an die Menschen" als ein Meditationsbild hingemalt.

An der Schlusswand des Chores ist in einer Panzervitrine eine besondere Kostbarkeit ausgestellt. Es ist das sogenannte "Sonntagskreuz" aus dem Basler Münsterschatz. Das Kreuz selbst ist eine Basler Goldschmiedearbeit des dritten Viertels des 15. Jahrhunderts, angefertigt zur Schonung des ursprünglichen und gebrechlich gewordenen kostbaren Kreuzes Kaiser Heinrichs II., das sich heute in Berlin befindet. Der uns erhaltene romanische Kreuzfuss eines anderen Kreuzes, in ursprünglicher Feuervergoldung der Bronze, ist wohl in Basel im 12. Jh. entstanden. Dieser Kreuzständer steht auf vier Löwenpranken. Auf ihnen sitzen, mit aufgeschlagenen Büchern auf ihrem Schoss, die vier Evangelisten.

Die vier Dreieckseiten zeigen, immer in Perlbändern, einmal Christus als Weltenrichter mit dem Siegeskreuz, dann die Taufe Christi, weiter eine sitzende Figur, die in den Händen ein Lamm und eine Taube hält, wohl als Dreifaltigkeitssymbol zu deuten. Die Vorderseite zeigt die Muttergottes mit dem Kind im Schoss und dem Lilienzepter. Zwei Atlanten am Ständerhals sind Kreuzesträger.

Auf diesem in seiner Ikonographie gewichtigen Fuss steckt heute, 50 cm hochragend, das kostbare "Sonntagskreuz". Es ist 1834 nach der Kantonstrennung der Stadt zugefallen und als Zeichen guten Einvernehmens von der Regierung, zugleich mit einem Vortragskreuz, der katholischen Gemeinde geschenkt worden, eine schöne Geste des reformierten Basel.

Dieses unser Kreuz ist dem "Heinrichskreuz" nachgebildet. Die Arme weiten sich aus. In je einem Rund sind die vier Evangelistensymbole, der Adler des Johannes, der Stier des Markus, der Löwe des Markus und der Mensch des Matthäus eingelegt, in den Visionen des Hesekiel als Tetramorph geschaut. Die Kreuzmitte ist ein Quadrat, Symbolzeichen der Vier-Zahl, wie auch das Himmlische Jerusalem in Off.21 als Erfüllung im Heilsplan der Schöpfung in der Gestalt eines Würfels geschaut wird. Dem Haupt ein Kreisnimbus unterlegt hängt der um 1510 geschaffene Kruzifixus. Das ganze Kreuz ist Silber vergoldet und mit vielen farbigen Glasflüssen und kleinen Edelsteinen geschmückt. Dieses Sonntagskreuz der Clarakirche ist der bedeutendste Kunstbesitz der RKK. Die Kirchgänger sind eingeladen, in den Chor zu kommen und das Kleinod still zu betrachten.

Denkmalpflege:
Erbaut zu Beginn des 14. Jahrhunderts für das Kloster der seit 1266 in Basel ansässigen Clarissinnen. Wiederherstellung nach Erdbebenschäden bis 1368. Aufhebung des Klosters bei der Reformation 1529 und Abbruch des Nonnenchors wegen der Errichtung eines Bollwerkes 1531. Neubau des Chors und Erweiterung des Langhauses 1858/59 von Amadeus Merian (1808-89). 1973/74 renoviert. Ab 1798 katholische Gottesdienste, seit 1853 katholische Pfarrkirche.

 
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