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St.Antonius

Heilignüchtern steht der Betonbau St.Antonius mit seinen riesigen Sprossenfenstern längs der Kannenfeldstrasse; über Quartier und Stadt erhebt sich der 62 Meter hohe Turm so hoch wie die Münstertürme.

Kirche St. Antonius 06
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Konservative Katholiken und traditionelle Basler haben diese erste in der Schweiz erbaute reine Betonkirche als "Seelensilo" bespöttelt. 1927 war der Bau vollendet; die feierliche Einweihung durch Bischof Joseph Ambühl erfolgte erst am 13. September 1931. Ein langes Ausmarchen in der Baukommission war der Verwirklichung vorausgegangen. Noch 1923 stellte man sich ernsthaft die Frage, ob man neoromanisch wie die Marienkirche, neogotisch wie die Heiliggeistkirche ober neobarock wie die Josephskirche bauen sollte.

Der ETH-Architekturprofessor Karl Moser aus Zürich, welcher mit Hans Curjel 1901 die frei am Steinenring stehende Pauluskirche in neobyzantinischer Manier erstellt hatte, brachte, als Berater in die Baukommission St.Anton berufen, dieVision eines sich ganz in die Strassenflucht einordnenden Betonkörpers mit unbemalten Wänden, aber mit grossen Glasfenstern, die den grauweissen Innenraum mit farbig verwandeltem Licht erfüllen sollten. Nach langem Ergründen der Pro und Kontra kirchlich und sozial, sind die Verantwortlichen der RKG - und man muss ihnen heute dafür dankbar sein - das grosse Wagnis eingegangen.

Der Grundriss der ganz in Schalbeton gebauten Kirche ist ein Rechteck in den beachtlichen Massen von 60 auf 22 Meter; die Höhe misst gleichfalls 22 Meter. Die tunnelartige Eingangspartie ist mit ihrem Dämmerlicht ein klug inszeniertes Introitus für den hellen langen Innenraum. Acht erstaunlich schlanke Betonpfeiler tragen das auch aus Gründen der Akustik kassetierte Tonnengewölbe und die kassetierten Flachdecken der Seitenschiffe. Der Chor ist flach geschlossen und übermöbliert; eigentlich ist auch das erst später eingesetzte Mosaikkreuz von Hans Stocker unproportioniert. Die Gegenseite mit Sängertribüne und mächtiger Orgel wird durch das Gitter der feinen Betonrippen ausgezeichnet.

Für die ganze künstlerische Ausstattung war Moser mitbestimmend. Er zeichnete Entwürfe für Altar, Kreuz und Kanzel. Den Kreuzweg hat Max Uehlinger in Stein gehauen. Uehlingers Kanzelrelief wurde von F. Herger in Messing getrieben. Die herben Steinfiguren von Christus und Maria stammen von Josef Büsser. Ueber dem grossen Kirchenzugang bläst der schwebende Gerichtsengel von Max Varin als Bleiguss-Relief, ein Geschenk des Basler Kunstkredits 1926.

Es sind die monumentalen Farbglasfenster, welche mit dem pionierhaften Betonkirchenbau die Bedeutung von St.Antonius ausmachen. Jedes Fenster ist 4,80 Meter breit und 13,80 Meter hoch, eine Fläche von je über 66 Quadratmetern. Für die Gestaltung dieser Lichtflächen wurde 1926 gesamtschweizerisch ein anonymer Wettbewerb ausgeschrieben. Ein Feld in der unteren Hälfte des von Betonsprossen unterteilten Fensters sollte, in Antikglas ausgeführt, eine Szene aus dem Leben des Antonius und dem Wirken Jesu zeigen. 40 Einsendungen lagen der im Juli 1926 tagenden Jury vor; die Wahl war schwierig; die Qualität durchgehend hoch. Den Auftrag zur Ausarbeitung erhielten schliesslich die Basler Otto Staiger und Hans Stocker. Massive Kritik bedrohte längere Zeit die Ausführung der Kunstwerke; konservative Pfarreimitglieder und Pfarrer sprachen von "Bolschewikisierung". Erst 1930 konnte das letzte der elf Fenster, Staigers Eucharistiebild, eingesetzt werden.

Die weite Kirchenhalle erhält durch den Glaszyklus ihren grossen Klang und ihre Vollendung. Auf der rechten Seite sind Szenen aus dem Leben Jesu zu sehen: die Kindersegnung, die Seepredigt, der Herr und die Armen, das Abendmahl und die Pietà. Auf der linken Schiffsseite wird von Antonius berichtet: die Erscheinung des Jesuskindes, die Fischpredigt, das Armenbrot, die Eucharistiefeier und das Sterben des Heiligen. Die Künstler wechseln sich jeweils ab; gemeinsam haben sie das Chorglasbild mit der "Apotheose" geschaffen. Alle Scheiben sind von den Künstlern signiert und mit den Namen der Stifter versehen.

Die Arbeiten der Freunde sind verwandt und verschieden zugleich: diejenigen Staigers herber, schlicht, legendenhaft, demütig in sich gekehrt; Stocker ist dramatischer bewegter, nach aussen einladend, sich darbietend. Von diesen Farbfenstern zu St. Anton in Basel ging ein die abendländische Glasbildkunst befruchtender Impuls aus. Die heute unter eidgenössischem Denkmalschutz stehende Antoniuskirche ist ein Gesamtkunstwerk säkularer kirchenkünstlerischer Dimension.


 
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