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Bruderklaus
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Das Bruderholz, der einstmals bewaldete Höhenzug südlich der Rheinstadt, erhielt seinen Namen im Mittelalter durch Eremiten, die sich dorthin zurückgezogen hatten. Auf dieser Höhe, inmitten einer offenen Siedlung bevorzugter Wohnlage, wurde die letzte katholische Pfarrkirche Basels gebaut.
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Im Gedenken an die glücklich überstandenen Kriegsjahre hat man die Bruderklaus-Kirche und -Pfarrei dem Patrozinium des Visionärs aus dem Ranft unterstellt. Aus dem 1957 ausgeschriebenen Wettbewerb unter katholischen Basler Architekten ging der in Zürich tätige Karl Higi hervor. Baubeginn war im Jahre 1959; die Weihe erfolgte durch Bischof von Streng im September 1961.
Wer den von einer Wiese und dem Pfarrhaus mit Garten umgebenen Platz betritt, empfindet Offenheit und Bewegung. In der Raummitte erhebt sich freistehend, mit seinen Schall-Schalen das Glockenspiel umhüllend, der schlanke, über 30 Meter hohe Betonturm.
Am Kopf der breiten Zugangstreppe von der Bruderholzallee liegt ein mächtiger Stein, an jener Gedenkstelle, für die seit je eine Plastik vorgesehen war, dort wo die Kirchgänger zum Portal sich wenden oder sich wieder fort auf den Heimweg begeben. Dieser lagernde Stein bildet den Dreiklang mit Turmvertikale und breit lagernder Kirchenschale. Zum Zeichen der Erinnerung an 15 Jahre pastorale Arbeit schenkte Pfarrer Robert Lang seiner Kirche 1976 diese von Albert Schilling geschaffene Skulptur. Es ist ein rund zwei Tonnen schwerer Block Jurakalk aus einem Steinbruch bei Laufen, mit dem Spitzeisen bearbeitet, dann angeschliffen. Von einer roh belassenen Bosse verwandelt sich der Stein zur Gestaltung der beiden Blockseiten.
Auf der Wegseite bildet eine quadratische Oeffnung, die höhlengleich in die Tiefe führt, die Mitte. Sieben stark im Licht spielende in den Block vertiefte Rinnen erwecken den Eindruck des Strömens. Geistströme fallen wirkend in die irdische Wirklichkeit so wie die Feuerzungen über die erwartungsvolle Pfingstgemeinde. Die Vier ist die Symbolzahl der Welt. Die der Kirche zugekehrte Seite der Skulptur zeigt einen gewandelten Aspekt: aus dem Rohblock treten, kubisch selbst machtvoll, drei Dreiecke hervor. Sie sind in ihrer Form identisch und doch nicht austauschbar gleich. Sie bilden, innig verzahnt, ein Trinitätssymbol, der Dreifaltigkeits-Vision von Bruder Klaus verwandt. Ich erinnere mich an die Betroffenheit Schillings als er auf einer gemeinsamen Aegyptenreise dieses Trinitätssymbol sah: im Simeonskloster der Wüste von Assuan hatte es vor Jahrhunderten ein Eremit mit unbeholfener Hand an die Felswand seiner Zelle gemalt. Dieser Steinblock voller menschlicher, künstlerischer und theologischer Er-Innerungen ist eine der reifsten Arbeiten Schillings.
Schilling hat auch das grosse Bronzeportal der Bruderklaus-Kirche geschaffen. Es liegt in einem Stille evozierenden Nischenbereich. Eine Kreuzesform, in Strahlen sich auflösend, dominiert die Mitte; zur Seite erkennt man in den Aussenformen eine sitzende Frauenfigur wie eine Schale gebildet, Maria, das Gefäss der Gnade. Schalen in der Siebenzahl oben symbolisieren die sieben Gaben des Heiligen Geistes; unten biegt sich, dornig und flammend, der brennende Busch, in dem sich auf dem Berge Horeb Gott dem Moses offenbarte.
Das Gehäuse der Kirche selbst ist unter gewölbt hochschwingender Decke und den ausschwingenden Mauern ein muschelförmiges Gefäss. Der Architekt hatte seinem Projekt das Motto "Vas spirtuale" gegeben.
Der durch das Portal eintretende Kirchgänger wird von der Bewegung hinauf und hinüber erfasst. Vom behauenen Taufstein beim Hauptportal weitet sich der Blick zum mächtigen Steinaltar und schwingt weiter zur Orgel über dem Sängerpodium. Die Gemeinde wird so von der Bewegung vor dem Chor umfasst und der Liturgie im Brennpunkt zugekehrt. Der Bildhauer Hanns Christen hat die ganze Ausstattung der Kirche in Stein und Schmiedeisen gestaltet: Taufbecken, Altar, Ambo, Sedien, Tabernakel, Kreuz und Ständer für die Osterkerze. Die geschweifte Chorwand ist zeichenlos. Je nach Kirchenzeit wird ein grosser Wandteppich hingehängt, der, von Ferdinand Gehr entworfen und seiner Tochter Franziska gewoben, die Vision der Dreifaltigkeit, die Bruder Klaus als seinem "Buch" geschenkt wurde, in wenig lapidaren Formen und Farben Gehr`scher Eigenart zeigt.
Ueber den Kirchenraum, zwischen gebogener Wand und ansteigender, einfarbig getönter Dachkuppelschale, schwingt sich wie eine wehende Fahne das riesige, über 80 Quadratmeter grosse Farbfenster von Ferdinand Gehr. Aus einem Wettbewerb unter den eingeladenen Künstlern René Acht und Ernst Coghuf ist der Altstättener erkoren worden. Er hat das Meisterwerk 1961 vollendet. Das Thema ist wiederum die Dreifaltigkeit.
Aus den blauen und roten Scheibenpartikeln des schmalen Anfangs der Eingangs-Seite weitet sich das immer hellere Band, das der Kirche ihr Licht gibt. In Grün und Gelb und Blau und Weiss folgen die Jünger, in der Weise Gehrs mit grösster Einfachheit in Farbe und Linie nur angedeutet, dem Gottessohn, der als Lamm symbolisiert wird. Dann weitet sich, von Augen- ähnlichen Formen durchsetzt, das Lichtband der Glasfenster zum schwebenden Geist. Und weiter weitet sich das Farbenspiel, mit Blau und Rot durchwirkt in Grün und Gelb und Weiss das Aussenlicht in die Transzendenz des geistigen Lichtes verwandelnd zur Gestalt des Schöpfergottes.
Dies ist ein formales und theologisches Meisterwerk des Künstlers Ferdinand Gehr, der ein meditierender und betender Maler war. Und wenn das Sonnenlicht des Morgens und steigend gegen Mittag durch dieses Glasfensterband in die Kirche einfliesst, dann streifen über Chorwand und Altar den Raum verwandelnde Farblichter.
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