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Allerheiligen

Im Jahre 1947 wurde ein Wettbewerb für eine Pfarreikirche im Neubad ausgeschrieben. Sie sollte mit einem Pfarrhaus an die Kreuzung der Neubadstrasse und den Laupenring zu stehen kommen. Herrmann Baur errang den 1.Preis, und die Ausführung wurde ihm zugesprochen.

Kirche Allerheiligen 01
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Der Grundstein für die Kirche Allerheiligen wurde 1950 gelegt. Diese Kirche Hermann Baurs ist eine reife Meisterleistung. Sie zeigt sich als eine aus dem Geiste der Gegenwart mit den Baumitteln unserer Zeit in hochentwickeltem Massgespür gestaltete "Weg-Kirche" in ältester kirchlicher Tradition vor der Revolutionierung des Kirchenbaus durch die Wallfahrtskirche Notre Dame de la Paix in Ronchamp durch Le Corbusier. Deren Impuls wird dann 1955 in Baurs trapezförmiger Kirche in Birsfelden.

Eine Straffheit in der Oekonomie der Mittel und der Konzeption der Raumform zeichnete dieses vornehme Gotteshaus aus.Sie ist ein Betonbau, der Struktur und Farbe des Materials zur Steigerung der Einheit anwendet. Der hohe feingliedrige Glockenturm bildet den Angelpunkt der durch die Strassenzüge gegebenen Koordinaten. Der Vorplatz ist von den Strassen zurückgenommen. Der Zugang zur Kirche wird in gebrochener Achse geführt: zum Eintreten in die Kirche muss sich der Kirchgänger wenden.

Zur Einstimmung dienen die grossen Reliefarbeiten an der Fassade. Neben dem Hauptportal sind die zwei von Albert Schilling 1955 gemeisselten Platten mit Fisch, Korb und brennenden Kerzen, die Eucharistie und die Apostel und Allerheiligen symbolisierend. Ueber dem Portal, das 1994 der in Basel wirkende Ostschweizer Ludwig Stocker in seiner sehr persönlichen Symbolsprache ausführte, erblickt man die Verkündigung mit einem Klang altaegyptischer Sehweise.

Die Kirchenarchitektur ist eine einschiffige Halle mit einer niedern Begleitraumfolge zur Linken zwischen Taufkapelle und Marienaltar. Das Kirchenschiff akzentuieren beidseits sechs sehr schlanke leicht kannelierte Betonsäulen mit ihrer leisen Schwellung in der Mitte ihres Steigens. Sie tragen eine nur sechs Zentimeter starke tonnenförmige Schalenkonstruktion von 700 Quadratmetern Ausmass. In der Abfolge der leicht geschweiften Quertonnen sind über den hohen geschlossenen Wandflächen Lichtöffnungen eingefügt. Erhellt wird der Chor selbst von beiden Seiten zwei Arkaden lang durch die hohen Lichtwände, welche zum dämmrigen Chor eine subtile Steigerung bedeuten. Die Lichtführung überhaupt ist in dieser Kirche bemerkenswert. Sie wird durchwegs durch vorfabrizierte quadratische Beton-Lichtkammern, antiken Transennen ähnlich, blendungsfrei erhellt.

Der Mittelgang zum Chor ist markiert. Nach der Türe liegt eine helle Platte mit der vertieften Inschrift: "Introibo ad altare Dei"; drei weitere folgen nach vorn zu einer fünften Platte, in die diagonal verschränkt das griechische und das lateinische Alphabet eingemeisselt sind, bezugnehmend auf das göttliche Wort, das als Alpha und Omega gilt.

Der Chorboden ist durch Stufen rhythmisch erhöht, mit einer ersten Stufe zu Ambo und Sedien, dann weiter mit vier Stufen zum Altar. Der mächtige Steinaltar, von Albert Schilling gehauen, spricht in den Relief seiner vier Seiten. Die Front zeigt das Bild des Abendmahltisches mit dem Fisch, dessen griechischer Name "Ichthys" in frühchristlicher Zeit als geheimnisträchtiges Anagramm für Jesus Christus Gottes Sohn und Erlöser in hoher Verehrung stand. Die Schmalseiten des Altars zeigen eine Onstranz mit der Hostie, die andere den siebenarmigen Leuchter und die Thorarollen, vor denen ein Buch aufgeschlagen ist mit den Worten aus dem "Tantum ergo"-Gesang: "Et antiquum documentum novo cedatr ritui", auf Zusammengehörigkeit und Abfolge des Alten und des Neuen Testamentes weisend.

Der Chor selbst ist als weite Vertiefung ausgestaltet und zeigt ein abschliessendes Mal erhöht den Tabernakel, den 1955 Alexander Schaffner ausgeführt hat. Er steht erhöht wie ein lichtes Zeichen in einer von Aussen erhellten Nische. Die Masse dieses ganzen Kircheninnern sind einfach und harmonisch in den Proportionen 1:2, 1:4 und 2:3, was natürlich eine vorzügliche Raumakustik bewirkt, wenn der Chor singt und die gross disponierte Orgel zur Feier oder Konzerten erklingt.

Die diskrete Zurückhaltung des Gotteshauses in seiner architektonischen Ausgestaltung bringt auch mit sich, dass nur sehr dosiert weitere künstlerische Akzente eingesetzt wurden, aber solche von hoher Qualität. Innen zur Rechten ist die quadratische Marmortafel von Armin Hoffmann aus dem Jahre 1996, welche in weiss, blaugrau und schwarz ineinander verklammerte runde und dreieckige Symbolzeichen setzt, verdeutlicht durch die Worte "Lux et Pax" im Gedenken an die grosse Kirchentagung in Basel 1986 für "Frieden und Bewahrung der Schöpfung". Auf gleicher Seite vorne ist das aus hellen und dunklen Steinen gefügte abstrakte Mosaik von Manessier.

Auf der Gegenseite vorne sitzt am Marienaltar die einstmals umstrittene, aber zunehmend in ihrer starken Glaubensaussage anerkannte schwarz-weisse Marmorskulptur, die Schilling 1958 schuf, "Notre Dame de la Trinité", mit Gotteshand und Gottestaube und in der Mitte der "Vas spirituale" dem Gotteskind. Gleich daneben auf der Strassenseite leuchtet in die Wand eingelassen das schöne quadratische Farbfenster des bedeutenden französischen Malers Alfred Manessier (1911-1994); in Mass und Form übernimmt es Elemente der Beton-Lichtkammern und schafft mit den leuchtenden Grundfarben Rot, Gelb und Blau ein Spiel wie von Wasser und Fischen.

Das künstlerische Bijou dieser schönen und eleganten Allerheiligenkirche ist, wenn man in das Innere eintritt links, die kleine, lichterfüllte Taufkapelle, für die Jean Arp, der Bildhauer, Maler, Dadaist und Dichter, im Jahre 1953 den marmornen Taufstein mit dem metallenen Deckel geschaffen hat. Zwei Jahre später ist Freund zum Freund gekommen: Ferdinand Gehr malte in Fresco die Decke der Kapelle mit der Dreiform, als ob die Stimme des Herrn über den Wassern des Jordans bei der Taufe Jesu durch den Vorläufer Johannes ertönen würde.




 
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